LINN
GOPPOLD
← Wissen
Wachstum und Start-up

ESOP oder VSOP: Welche Mitarbeiterbeteiligung passt zu Ihrem Unternehmen?

Von Carsten RuderSeptember 2026Lesezeit 5 Minuten

Ein Softwareunternehmen mit 40 Mitarbeitenden will die drei wichtigsten Entwicklerinnen halten. Der Gründer hört von Kollegen, dass man dafür ein ESOP braucht. Der Steuerberater sagt VSOP. Beide haben recht, für unterschiedliche Unternehmen. Die Frage ist, welches Sie sind.

Was ist der Unterschied?

Bei einem ESOP, dem Employee Stock Option Plan, erhalten Mitarbeitende das Recht, echte Geschäftsanteile zu erwerben. Sie werden Gesellschafter, mit allen Rechten und Pflichten. Bei einem VSOP, dem Virtual Stock Option Plan, erhalten sie einen vertraglichen Anspruch auf eine Zahlung, die sich am Unternehmenswert bemisst, meist beim Verkauf. Sie werden nicht Gesellschafter. Wirtschaftlich ähneln sich beide, rechtlich und steuerlich sind sie zwei verschiedene Welten.

Wer sitzt am Tisch, wenn es Streit gibt?

Beim ESOP jeder Beteiligte. Gesellschafter haben Informationsrechte, Stimmrechte und ein Wort bei Beschlüssen, sofern der Gesellschaftsvertrag sie nicht einschränkt. Für ein Familienunternehmen, das die Steuerung in der Familie halten will, ist das ein Nachteil, der sich vertraglich nur begrenzt heilen lässt. Beim VSOP bleibt der Gesellschafterkreis unverändert. Die Beteiligten sind Gläubiger eines Zahlungsanspruchs, nicht Mitgesellschafter.

Wann wird versteuert?

Das ist der Punkt, an dem die meisten Modelle scheitern. Beim ESOP kann bereits die verbilligte Übertragung von Anteilen als Arbeitslohn gelten, mit Lohnsteuer auf einen Wert, den der Mitarbeitende noch gar nicht als Geld in der Hand hat. Der Gesetzgeber hat dafür Aufschubregelungen geschaffen, an Bedingungen geknüpft, die nicht jedes Unternehmen erfüllt. Beim VSOP entsteht Arbeitslohn erst, wenn tatsächlich gezahlt wird. Das ist einfacher, aber die Zahlung wird als Lohn versteuert, nicht als Veräußerungsgewinn.

Wie viel Aufwand ist es?

Ein ESOP braucht notarielle Beurkundung, Anpassungen des Gesellschaftsvertrags, eine Kapitalmaßnahme und eine Bewertung, die dem Finanzamt standhält. Ein VSOP ist ein Vertrag, der sich mit überschaubarem Aufwand aufsetzen und anpassen lässt. Dafür muss er sehr sorgfältig formuliert sein, weil er im Verkaufsfall gegen einen Erwerber durchgesetzt werden muss, der ihn nicht unterschrieben hat.

Was passiert beim Verkauf?

Beim ESOP verkaufen die Beteiligten ihre Anteile mit, und ein Erwerber muss mit mehreren Gesellschaftern verhandeln. Beim VSOP zahlt das Unternehmen oder der Verkäufer die Ansprüche aus dem Erlös aus. Für einen Erwerber ist das zweite meist angenehmer, für die Beteiligten das erste steuerlich oft günstiger. Welche Seite Sie stärken wollen, hängt davon ab, wen Sie halten wollen und wie lange.

Der erste Schritt

Die Entscheidung zwischen ESOP und VSOP ist keine Vertragsfrage, sondern eine Frage nach Ihrer Struktur, Ihrer Familie und Ihrem Zeithorizont. Sprechen Sie mit Carsten Ruder, Rechtsanwalt und Steuerberater, der beide Modelle vom Vertrag bis zur Lohnabrechnung begleitet.

Ihr Ansprechpartner · Autor dieses Beitrags
Carsten Ruder
Partner · Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Steuerrecht
Ihre Nachricht geht direkt an Herrn Ruder. Antwort innerhalb eines Werktags.

Hinweis: Die Beiträge auf dieser Website und in unseren Social-Media-Kanälen informieren allgemein und ersetzen keine Beratung im Einzelfall. Sie geben den Stand zum Veröffentlichungsdatum wieder; für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen wir keine Gewähr, eine Haftung ist im gesetzlich zulässigen Umfang ausgeschlossen. Vor Entscheidungen auf Grundlage dieser Inhalte empfehlen wir eine individuelle Beratung.

Kontakt

Sprechen wir über Ihre Situation.

Drei Fragen, und Sie landen beim ersten Gespräch direkt bei der richtigen Person. Antwort innerhalb eines Werktags.

Anfrage in 3 Schritten